GSAE 2014/15 General Survey Antipodes Expedition

Expedition-Date: 2014-11-12 – 2015-02-08

The aim of the 3 month research trip was to collect data from the two main islands in New Zealand using measuring instruments, designed specifically for this purpose, in combination with the gathering of specific empirical data as part of a field study on „general survey“.

The survey follows a photogrammetric approach of measuring, combined with systematic scientific observation. The measuring equipment consists of an optically mechanic measuring device plus instruments to determine the direction and position, as well as other measuring equipment.

The developed surveying method is a passive remote sensing, for the  contact free reconstruction of the object being measured, (the spatial surroundings), from the photos of the reflection of the image in the measuring device. The reflective measuring head shows a specific distortion coefficient.

At certain, spatially distributed locations in New Zealand, measuring images were created using the measuring device. The measurement setup was carried out with precise determination of the position and orientation of the measuring instrument, followed by recording the photographs of the measuring head under certain measured directional angles. The main instrument oscillates consciously between an art object and a scientific instrument.

The measuring setups were logged and photographed and the data recorded in a field book. In accordance with the requirements of reproducibility, in addition to the on-site logging, the surveying of the measuring point was carried out with the aid of a permanently secured survey mark.

The entire equipment and tools required for the measurements were kept in a single equipment box. Special devices on the 44 kilogram heavy box made it possible to transport it as a handcart over uneven ground to the measuring points.

On the 8978-kilometer route covered in N.Z, measurements were made at 61 points, from 34º 25’ 43.7” S, 172º 40’ 42.7” O in the north to  46º 40’26.2” S, 169º 00’ 04.1” O to in the south.

Before the expedition the International Institute for General Survey (IIfGS) was founded, which is an important part of this work and serves as client of the entire operation. The institute gave the expedition its institutional legitimacy.

The complete work, GSAE, is a combination of the individual parts: complete expedition equipment (measuring instruments, camera equipment, handcart-box, extra manufactured expedition clothes, tools, maps …), measuring results, (measurement photos, measuring data, field-books, created map material…), documentation,(photos, also sketches, constructional drawings, and, for example,  necessary custom-forms…), IIfGS (Institute-website, stationery…), the cof/ref device (including measurement charts), other produced charts (equipment chart, measurement chart, measurement data charts) and the compilation of these parts in the publication.

Also see GSAE-Coef/Ref  and IIfGS which are other parts of the work GSAE, and the GSAE Edition.

Read the interview with Valentin Beinroth about GSAE in maecenas (German only)

hessiche kulturstiftung Herr Beinroth, selbst nach mehrfachem Studium Ihres Expeditionsberichts stellt sich bei der Leserin zunehmend Verwirrung ein: Mein extrem rudimentäres Wissen über Vermessungstechnik mag dafür ein Grund sein, vermutlich befinde ich mich aber in einem Zustand, der in Ihr Konzept passt. Worum ging es Ihnen in Neuseeland, in dieser Hinsicht?

beinroth Ähnliche Verwirrung erlebte ich tatsächlich auch bei Passanten vor Ort, die mich beim Vermessen beobachteten. Und auch hier waren meine Erklärungen, falls die Personen mich ansprachen, anscheinend meist zuerst nicht sehr befriedigend. Eine gewisse Hürde gibt es sicherlich zu überwinden, mein ganzes Vorgehen folgt zunächst sehr technisch anmutenden und scheinbar wissenschaftlichen Prozessen, die dem Betrachter auch erst einmal bewusst verschlossen bleiben sollen. Erst bei näherer Untersuchung erschließen sich einem gewisse Brüche. Vorhandenes Wissen zur Vermessungstechnik würde den Betrachter einige Zitate sicherlich direkt erkennen lassen, ihn aber wahrscheinlich gleichermaßen verwirren. Das Hauptstück meiner verwendeten Messinstrumente bewegt sich zum Beispiel bewusst zwischen einer eindeutigen Einordnung als ein technisches Gerät bzw. wissenschaftliches Hilfmittel und einer Kunstskulptur. Diese (vermeintliche) Diskrepanz ist ein wesentliches Element der Arbeit und wird an vielen Stellen so weitergeführt. So ist das ganze Vorgehen streng im Rahmen einer Expedition angelegt, mitsamt all ihren Phasen, mit dem Ziel der Vermessung Neuseelands. Also eine Expedition mit dem Ziel des wissenschaftlichen Erkenntnisgewinns, die im Titel die „allgemeine Vermessung“ trägt. Diese Messungen habe ich durchgeführt, die Ergebnisse werden sich jedoch erst bei der jetzt folgenden Auswertung zeigen.

hks Ihre künstlerische Arbeit bewegt sich ja häufig in einem Feld, in dem sich naturwissenschaftliche und künstlerische Praktiken überschneiden und Zuspitzungen auf je unterschiedliche Ordnungssysteme, wie etwa Objektivität hier und Subjektivität dort, ins Wanken geraten. Sie haben im Vorfeld der Neuseeland- Expedition das International Institute for General Survey / Institut für generelles Vermessen (IIfGS) gegründet – das klingt nach weiteren Verflechtungen?

beinroth Die Gründung des Instituts ist ein Teil der Arbeit selbst, es agiert als Ausrichter der gesamten Expedition und fungiert dem Forschungsunternehmen als Basis. Auf dieser Grundlage sollen zudem weitere Projekte entwickelt werden, die sich im Umfeld der „Generellen Vermessung“ bewegen. Ein Institut mit der Spezifizierung auf etwas Allgemeines bietet hier naturgemäß ein besonders breites Handlungsspektrum. Natürlich folgt mit der Institutsgründung daraus per se ein institutionelles Auftreten und demnach eine scheinbare Loslösung vom Individuum. In meinem Handeln in Neuseeland und der gesamten Kommunikation hatte dies einen festen Bestandteil. Visitenkarte, Briefbogen und Beschriftung an Kiste und Ausrüstung tragen offiziell wirkende oder zumindest die seriösen Züge einer wissenschaftlichen Einrichtung und folgen damit in einem weiteren Punkt dem Habitus des Forschers.

hks Gleichzeitig scheint mir die Einführung der Figur des Forschers, des Künstlers in dieser Arbeit eben auch der nächste Schritt zu sein, eine weitere Ebene, die Sie in früheren Projekten nicht explizit angesprochen haben.

beinroth Die Figur des Forschers war in früheren Werken eher unsichtbar im Hintergrund bzw. nicht direkt abgebildet. Bei diesem Projekt spielt sie aber eine wesentliche Rolle.
Besonders Expeditionen des 18. und 19. Jahrhunderts waren oft fest mit berühmten Entdeckerpersönlichkeiten verwoben. Sicherlich sind große Entdeckungen und Ergebnisse dauerhaft mit dem jeweiligen Forscher verbunden, doch auch die Gründe der Forschungsreise und der weitere Antrieb sind an die Forscherpersönlichkeit geknüpft. Aus den persönlichen Berichten der Forscher gehen hier Erklärungsansätze für die teils manische und fast selbstzerstörerisch verfolgte Ausführung der Vorhaben hervor. Der Polarforscher Ernest Shackleton schreibt in The Heart of the Antarctic (London 1909): „Men go out into the void spaces of the world for various reasons. Some are actuated simply by the love of adventure, some have the keen thirst for scientific knowledge, and other again are drawn by ‘the lure of little voices’, the mysterious fascination of the unknown.“

Die forschende Person kann also hier nicht im Hintergrund bleiben, und im Falle dieser Expedition besonders auch deshalb nicht, da ich selbst in jedem Messbild direkt abgebildet und mitvermessen werde.
Abenteuer, der Drang nach wissenschaftlichem Erkenntnisgewinn, Faszination des Unbekannten, ein schon fast forschungsromantisches Bild schwingt mit bei Expeditionen in ferne Gefilde. Und die Wahl Neuseelands als Expeditionsziel ermöglichte mir, als Ort, der am weitesten von meinem aktuellen Atelier entfernt ist, wortwörtlich die Expedition ans andere Ende der Welt. Hier begab ich mich teils auch auf die Spuren früher Kartografen und Landvermesser, denn entdeckungsgeschichtlich hatte jeder Entdecker / Eroberer seine eigenen Kartografen und Landvermesser dabei. Vermessung / Kartografieren hat generell auch ein besitzbezogenes Element. Und besonders bei Entdeckungsreisen in der Zeit des Kolonialismus waren die Motive auch, sich vor Ort zumindest den Einflussbereich zu sichern. Nicht nur unter diesem Gesichtspunkt trägt mein Aufbruch zur Vermessung Neuseelands insofern eventuell auch vermessene Züge.

Equipment

Measurement Equipment – Chart 01, 2015, inkjet print on paper, mounted on aluminium composite panel, H 90 x W150 x D 2cm

Selected measurement photos

Measurement Data – Chart 01, 2016, inkjet print on paper, mounted on aluminium composite panel, H 90 x W150 x D 2cm

Installation at Nassauischer Kunstverein Wiesbaden