HI-cubit

HI-cubit1, 2010, Holz, Glas, Stahl, Messing, Gold, Silber, Marmor, Knochen, H 131 × B 134 × T 22,5 cm
HI-cubit2, 2010, Aluminium, Reflektorfolie, Stahl, Maße variabel

Zweiteilige Arbeit bestehend aus:
1. Einer zentral im Ausstellungsraum auf einem weißem Sockel aufgestellten Holzvitrine, in der sich ein 1182,5 mm langer Stab mit 21,1 mm Durchmesser befindet. Der Stab ist in Segmente verschiedener Länge aus unterschiedlichen Materialien unterteilt.

2. Im Raum an sämlichen Ausstellungswänden und zwischen gegenüberliegenden Wänden angebrachte rote Stangen mit einer Skala aus weißen Markierungsstrichen.

Die Oberfläche der Stangen besteht aus rotem und weißem Reflektormaterial, wodurch sich die stark technische Anmutung von Messinstrumenten ergibt. Durch diese Messstäbe wird die Breite jeder Wandfläche, die Abstände der gegenüberliegenden Wände sowie die Höhe des Raumes messtechnisch abgenommen.

Die Skala auf den Messstäben ist eine Aneinanderreihung der Markierungen, die sich durch die Unterteilungen des Stabes in der Vitrine ergeben; dieser fungiert als das Referenzmaß für die Vermessung des Raumes, als Referenzmaßstab.

Hintergrund der Unterteilungen auf dem Maßstab:

Die der Skala des Maßstabes zugrundliegenden Referenzen sind Längen und Längenverhältnisse, die aus dem Emissionsspektrum des chemischen Elements Wasserstoff hervorgehen. Zum einen ist es das Verhältnis der Abstände der sichtbaren Emissions-Spektrallinien von Wasserstoff. Zum anderen ist es die Wellenlänge einer bestimmten Spektrallinie im Radiowellen-Frequenzbereich, der sog. Wasserstoff-Linie oder auch HI-Linie. Wasserstoff ist das häufigste im Universum vorkommende chemische Element.

In seiner Unterteilung ist der Maßstab an die Unterteilungen vormetrischer Längenmaßeinheiten angelegt. Die Verhältnisse der Unterteilung in 28 digiti (Finger) entspricht 1 cubitus (Elle), 16 digiti entspricht 1 pes (Fuß) und 4 digiti entspricht 1 palma (Handbreit) beziehen sich auf vormetrische Maßsysteme, die funktionsbedingt praktisch angelegt waren. Greift man den Abstand eines Fußes an einem Maßstab mit einer Schnur ab, erhält man die feineren Unterteilung dadurch, dass man die abgegriffene Länge durch Zusammenfalten der Schnur immer wieder halbiert. Ein zweimaliges Zusammenlegen ergibt die Länge einer palma zu 4 digiti, weiteres zweimaliges Zusammenfalten ergibt die Länge eines digitus. 7 palmae ergeben die Elle (cubitus) zu 28 digiti.

Sowohl die sichtbaren Spektrallinien als auch die HI-Linie selbst sind auf unterschiedliche Art und Weise selbst Instrumente des Messens. Durch die Tatsache, dass jedes Element eine eigene Spektrallinien-Charakteristik aufweist, werden sie zum Analysieren von Inhaltsstoffen benutzt, z.B. bei der Spektroskopie.

Spektrallinien und besonders die HI-Linie werden auch auf andere Weise zur Längenmessung verwendet. In der Astronomie lässt sich z.B. mit ihrer Hilfe durch Ermitteln der Dopplerverschiebung die Distanz zu einem bestimten Punkt in unserer Galaxie messen.

Spektrallinien
Strahlung bestimmter Wellenlängen werden emittiert, wenn ein Elektron vom höheren zu einem tieferen Energieniveau seiner Bahn um den Atomkern zurückfällt. Beim Auffächern dieser Strahlung z.B. durch ein Prisma ergeben sich die für jedes Element charakteristischen Spektrallinien. Bei Sonnenlicht kann man das sichtbare Spektrum mit Hilfe eines Prismas zum Farbverlauf eines Regenbogens aufgefächert sehen.

Beim Wasserstoff-Emissionsspektrum liegen nur vier Linien im für das menschliche Auge sichtbaren Bereich. Daneben gibt es weitere Spektrallinien im Infrarot- und Ultraviolettbereich sowie die HI-Linie im Radiowellenbereich (UHF) des elektromagnetischen Spektrums.

HI-Linie
Die Wasserstoff-Linie ist eine Spektrallinie in der Hyperfeinstruktur von neutralem Wasserstoff, die durch den Energieunterschied zwischen der parallelen und antiparallelen Spin-Orientierung des Elektrons relativ zum Spin des Protons mit einer Frequenz von etwa 1,42 Gigahertz auftritt. Dies entspricht einer Wellenlänge von ca. 21,1 cm.